
Trumps Friedensrat: Ambitionierter Gaza-Plan zwischen Größenwahn und Realitätsverweigerung
Während sich die politische Elite in den verschneiten Schweizer Alpen zum Weltwirtschaftsgipfel versammelt, präsentiert die Trump-Administration ihre Vision für den Nahen Osten – und sie ist nichts weniger als atemberaubend. Jared Kushner, Schwiegersohn des US-Präsidenten und offenbar nebenberuflicher Städteplaner, enthüllte am Donnerstag einen Masterplan, der den völlig zerstörten Gazastreifen innerhalb von nur drei Jahren in ein blühendes Wirtschaftszentrum verwandeln soll.
Die amerikanische Traumfabrik am Mittelmeer
Der 45-jährige Kushner präsentierte dabei nicht etwa vage Absichtserklärungen, sondern detaillierte Karten mit bereits festgelegten Zonen für Tourismus, Wohngebiete, Autobahnen, Parks, Industriegebiete, einen Hafen und sogar einen Flughafen. Besonders bemerkenswert: Ein KI-generiertes Bild einer futuristischen Skyline an der Mittelmeerküste sollte den versammelten Wirtschaftsführern offenbar den Mund wässrig machen. Man fragt sich unwillkürlich, ob die künstliche Intelligenz bei der Erstellung auch die Realitäten vor Ort berücksichtigt hat.
„Wir haben keinen Plan B", verkündete Kushner mit jener Selbstsicherheit, die man in Washington derzeit offenbar im Überfluss besitzt. Die Idee einer Teilung des Küstenstreifens in eine terrorfreie und eine nicht Hamas-freie Zone sei verworfen worden. Stattdessen arbeite man ausschließlich auf einen „katastrophalen Erfolg" hin – eine Formulierung, die in ihrer Widersprüchlichkeit fast schon poetisch anmutet.
Der neue Friedensrat: Konkurrenz für die UN?
Die Präsentation erfolgte anlässlich der Gründung des von Trump initiierten „Friedensrates" (Board of Peace). In Davos unterzeichnete der US-Präsident höchstpersönlich die Charta des neuen Gremiums, flankiert von politischen Verbündeten wie Argentiniens Präsident Javier Milei und Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán. Dass ausgerechnet diese beiden Staatsmänner zu den ersten Unterstützern gehören, dürfte in Brüssel für erhöhten Blutdruck sorgen.
Rund zwei Dutzend Staaten haben bisher ihren Beitritt zugesagt. Israel, obwohl nicht bei der Gründungszeremonie anwesend, will dem Rat beitreten. Die großen europäischen Mächte hingegen – Deutschland, Frankreich und Großbritannien – halten sich auffällig zurück. Bundesaußenminister Johann Wadephul betonte mit diplomatischer Zurückhaltung, man habe „noch einige Fragen" an die US-Regierung.
„Heute ist der Beginn einer neuen Ära"
Mit diesen Worten versuchte US-Außenminister Marco Rubio, der historischen Dimension des Moments gerecht zu werden. Der Fokus liege zunächst auf der Umsetzung des Gaza-Plans, doch Rubio deutete bereits an, dass dieses Modell auch „in anderen Teilen der Welt" Anwendung finden könnte.
Die unbequemen Realitäten
Was bei all dem Optimismus jedoch geflissentlich übersehen wird: Die Hamas ist auch nach zwei verheerenden Kriegsjahren nicht zerschlagen. Der im Oktober von Trump vorgelegte 20-Punkte-Plan sieht zwar vor, dass sämtliche militärische und terroristische Infrastruktur im Gazastreifen vernichtet werden muss – doch zwischen Vorsatz und Vollendung klafft bekanntlich oft eine gewaltige Lücke.
Kushner verwies darauf, dass es im Nahen Osten üblich sei, Städte mit zwei bis drei Millionen Einwohnern innerhalb von drei Jahren hochzuziehen. „Wir haben bereits angefangen, den Schutt wegzuräumen", verkündete er. Das neue Gaza solle eine freie Marktwirtschaft nach amerikanischem Vorbild erhalten – eine Vision, die angesichts der tiefsitzenden ideologischen Gräben in der Region geradezu naiv erscheint.
Europas Zögern und Deutschlands Dilemma
Die Zurückhaltung der europäischen Staaten ist bezeichnend. In Berlin hatte die Ankündigung des Friedensrates zunächst die Sorge genährt, die US-Regierung arbeite darauf hin, die Vereinten Nationen zu ersetzen. Wadephul betonte demonstrativ: „Wir haben einen Friedensrat, und das sind die Vereinten Nationen." Trump versuchte diese Bedenken zu zerstreuen, indem er versprach, alles „in Verbindung mit den Vereinten Nationen" zu tun. Tatsächlich haben die UN den Friedensrat mit einem Mandat ausgestattet – allerdings ausschließlich für dessen Aufgaben in Gaza.
Die neue Große Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz steht damit vor einem klassischen Dilemma: Einerseits möchte man den wichtigsten Verbündeten nicht brüskieren, andererseits kann man sich nicht bedingungslos einem Projekt anschließen, dessen Erfolgsaussichten mehr als fraglich erscheinen. Dass Trump Deutschland explizit zum Beitritt eingeladen hat, erhöht den Druck zusätzlich.
Zwischen Hoffnung und Hybris
Man muss Trump zugutehalten, dass er zumindest handelt, während andere nur reden. Die europäische Außenpolitik der vergangenen Jahre hat sich allzu oft in moralischen Appellen erschöpft, ohne konkrete Ergebnisse zu liefern. Doch ob ein von Immobilienentwicklern erdachter Masterplan die jahrzehntelangen Konflikte im Nahen Osten lösen kann, darf bezweifelt werden.
Die Vorstellung, aus dem Trümmerfeld Gaza innerhalb von drei Jahren ein florierendes Wirtschaftszentrum mit glitzernder Skyline zu machen, zeugt von jenem amerikanischen Optimismus, der manchmal Berge versetzt – und manchmal grandios scheitert. Die Geschichte des Nahen Ostens ist gepflastert mit gescheiterten Friedensplänen, die von wohlmeinenden Außenstehenden erdacht wurden.
Eines jedoch ist gewiss: Die Trump-Administration hat mit diesem Vorstoß die Initiative ergriffen und die etablierten Strukturen der internationalen Diplomatie herausgefordert. Ob dies zum „katastrophalen Erfolg" oder zur katastrophalen Niederlage führt, wird die Zeit zeigen. Europa täte gut daran, nicht nur zu kritisieren, sondern eigene konstruktive Vorschläge zu entwickeln – sofern man dazu überhaupt noch in der Lage ist.
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