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Kettner Edelmetalle
20.01.2026
14:48 Uhr

Telefonische Krankschreibung auf dem Prüfstand: Warken folgt Merz' Kritik am deutschen Krankenstand

Telefonische Krankschreibung auf dem Prüfstand: Warken folgt Merz' Kritik am deutschen Krankenstand

Die Debatte um den hohen Krankenstand in Deutschland nimmt Fahrt auf. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat nun angekündigt, die Regelungen für telefonische Krankschreibungen einer gründlichen Überprüfung zu unterziehen. Damit schließt sie sich der Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz an, der die Arbeitsausfälle in deutschen Unternehmen als zu hoch bezeichnet hatte.

Koalition will Missbrauch ausschließen

Die Regierungsparteien hätten sich bereits im Koalitionsvertrag darauf verständigt, Missbrauch bei Krankschreibungen auszuschließen, erklärte Warken gegenüber dem Tagesspiegel. „Genau das werden wir angehen und die aktuellen Regelungen auf den Prüfstand stellen. Wir brauchen praktikable Lösungen", so die Ministerin. Eine klare Ansage, die längst überfällig erscheint.

Bundeskanzler Merz hatte zuvor auf die durchschnittlich 14,5 Krankheitstage der Deutschen hingewiesen – eine Zahl, die im internationalen Vergleich bemerkenswert hoch ausfällt. Doch damit nicht genug: Der Kanzler stellte klar, dass in dieser Statistik kurzfristige Krankmeldungen von ein oder zwei Tagen noch gar nicht berücksichtigt seien. Würde man diese einbeziehen, läge die tatsächliche Zahl deutlich höher.

Die telefonische Krankschreibung als Problemfall?

Als eine der Ursachen für den hohen Krankenstand identifizierte Merz die „leichte Krankschreibung durch telefonische Krankschreibungen". Diese während der Corona-Pandemie eingeführte Regelung sollte ursprünglich Arztpraxen entlasten und Infektionsketten unterbrechen. Doch was als pragmatische Lösung in Krisenzeiten gedacht war, könnte sich mittlerweile als Einfallstor für Missbrauch erweisen.

Gesundheitsministerin Warken pflichtete dem Kanzler bei und betonte, dass der Hinweis auf den hohen Krankenstand keineswegs gegen tatsächlich erkrankte Arbeitnehmer gerichtet sei. „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die niedrigschwellige Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung missbräuchlich ausgenutzt werden kann", räumte sie ein.

Ein überfälliger Kurswechsel

Es ist erfrischend zu sehen, dass die neue Bundesregierung unter Merz endlich bereit ist, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Jahrelang wurde das Thema Krankenstand von der Politik gemieden, als handele es sich um ein Tabu. Dabei belasten die hohen Ausfallzeiten nicht nur die Unternehmen, sondern letztlich die gesamte Volkswirtschaft und damit jeden einzelnen Bürger.

Die Frage, ob die telefonische Krankschreibung in ihrer jetzigen Form beibehalten werden sollte, ist berechtigt. Natürlich gibt es Menschen, die diese Möglichkeit verantwortungsvoll nutzen. Doch ein System, das auf blindem Vertrauen basiert, lädt geradezu zum Missbrauch ein. Eine Überprüfung der Regelungen ist daher nicht nur sinnvoll, sondern dringend geboten.

Ob die angekündigte Prüfung tatsächlich zu spürbaren Veränderungen führen wird, bleibt abzuwarten. Die deutsche Bürokratie hat schon manch gute Absicht im Sande verlaufen lassen. Doch allein die Tatsache, dass das Thema nun offen angesprochen wird, ist ein Schritt in die richtige Richtung – hin zu einer ehrlichen Debatte über Leistungsbereitschaft und Eigenverantwortung in unserer Gesellschaft.

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