Kostenlose Beratung
07930-2699
200.000
Kunden
Sicherer
Versand
Kettner Edelmetalle
31.01.2026
08:18 Uhr

Steuersystem als Vollzeit-Killer: Ökonom fordert radikale Kehrtwende statt Verbotspolitik

Die Debatte um Deutschlands Arbeitsmoral erreicht einen neuen Siedepunkt. Während der Wirtschaftsflügel der CDU mit dem Gedanken spielt, das Recht auf Teilzeit zu beschneiden, meldet sich ein Schweizer Ökonom mit einer unbequemen Wahrheit zu Wort: Nicht die vermeintliche Faulheit der Deutschen sei das Problem, sondern ein Steuersystem, das Mehrarbeit regelrecht bestraft.

Die bittere Wahrheit über deutsche Steuerprogression

Reiner Eichenberger von der Universität Freiburg nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Pläne der Union, das Teilzeitrecht einzuschränken, bezeichnet er als „schreckliche Verbietansätze". Der Mann hat einen Punkt, den die politische Klasse in Berlin offenbar geflissentlich übersieht: Wer in Deutschland sein Arbeitspensum erhöht, landet schneller bei einem Grenzsteuersatz von 40 Prozent, als man „Leistungsgesellschaft" buchstabieren kann.

Die Rechnung ist denkbar einfach – und genau deshalb so entlarvend. Während Freizeit faktisch steuerfrei genossen werden kann, wird jede zusätzliche Arbeitsstunde vom Fiskus gnadenlos abgeschöpft. Dass sich unter diesen Umständen immer mehr Menschen gegen Vollzeit entscheiden, ist keine Charakterschwäche, sondern schlicht rationales Verhalten. Werden den Bürgern, wie Eichenberger es formuliert, „die Hälfte der Früchte ihrer Arbeit" durch Abgaben entzogen, wäre es geradezu töricht, noch mehr zu arbeiten.

Der „Vielarbeits-Abzug" als Ausweg aus der Misere

Statt auf Zwang und Verbote zu setzen, präsentiert der Ökonom einen konstruktiven Gegenentwurf. Sein Modell eines „Vielarbeits-Abzugs" sieht vor, Arbeit ab einer Schwelle von 80 Prozent steuerlich massiv zu begünstigen. Für jede Überstunde soll ein fixer Freibetrag von etwa 20 bis 30 Euro vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen werden können.

Die Auswirkungen wären beachtlich: Geringverdiener müssten für Arbeit oberhalb dieser Schwelle unter Umständen gar keine Steuern mehr entrichten. Selbst ein Anwalt mit einem Stundensatz von 200 Euro würde nur noch auf 165 Euro Steuern zahlen. Ein System, das sowohl sozial gerecht als auch leistungsfördernd wäre – eine Kombination, die man in der deutschen Steuerpolitik mit der Lupe suchen muss.

Verbotspolitik als Bankrotterklärung

Die Befürworter der Teilzeit-Einschränkung innerhalb der Union argumentieren, dass die sogenannte „Lifestyle-Teilzeit" den Wohlstand des Landes gefährde. Der Rechtsanspruch auf Arbeitszeitverkürzung solle künftig nur noch in Ausnahmefällen gelten. Doch diese Denkweise offenbart ein fundamentales Missverständnis: Man kann Menschen nicht zu Leistung zwingen, man muss sie dafür belohnen.

Gewerkschaften und Sozialverbände laufen bereits Sturm gegen die Pläne. Sie sehen darin einen Angriff auf mühsam erkämpfte Arbeitnehmerrechte. Und sie haben nicht ganz Unrecht. Denn wer Vollzeit attraktiver machen will, sollte nicht bei den Rechten der Arbeitnehmer ansetzen, sondern bei den Rahmenbedingungen, die Vollzeit derzeit so unattraktiv machen.

Deutschland in der Teilzeitfalle

Die Bundesrepublik steckt tief in einer selbstverschuldeten Misere. Der Fachkräftemangel bremst die Wirtschaft, während gleichzeitig der Wunsch nach besserer Work-Life-Balance wächst. Diese Entwicklung als moralisches Versagen der Bevölkerung zu brandmarken, ist nicht nur unfair, sondern auch kontraproduktiv.

Eichenbergers Fazit sollte der Politik zu denken geben: Wer mehr Arbeitskraft mobilisieren will, muss Mehrarbeit finanziell belohnen, anstatt den legitimen Wunsch der Bevölkerung nach Freizeit zu kritisieren. Der zusätzliche Verwaltungsaufwand seines Modells sei beherrschbar und deutlich geringer als die Verzerrungen des jetzigen Systems.

Es wäre an der Zeit, dass die deutsche Politik aufhört, mit dem Finger auf die Bürger zu zeigen, und stattdessen vor der eigenen Haustür kehrt. Ein Steuersystem, das Leistung bestraft, kann keine Leistungsgesellschaft hervorbringen – egal wie viele Rechte man den Arbeitnehmern nimmt.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Steuerberatung dar. Die dargestellten Informationen entsprechen der Meinung unserer Redaktion und den uns vorliegenden Quellen. Für individuelle steuerliche Fragen konsultieren Sie bitte einen Steuerberater. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben übernehmen wir keine Haftung.

Wissenswertes zum Thema

Magazin
17.04.2025
11 Min.

Wer ist: Thorsten Polleit

Thorsten Polleit ist einer der profiliertesten Ökonomen Deutschlands und ein international anerkannter Experte für Geld- und Kapitalmarkttheorie sowie Edelmetalle wie Gold und Silber sowie führender …
Erhalten Sie kostenlose Tipps um Ihr Vermögen zu schützen und als erster von neuen Produkten zu erfahren

Sie möchten regelmäßig über Produktneuheiten, spannende Finanznachrichten und exklusive Sonderangebote informiert werden? Dann melden Sie sich hier für den kostenfreien Kettner Edelmetalle Newsletter an.

Durch Eingabe Ihrer E-Mail-Adresse und Anklicken des Buttons „Abschicken“ geben Sie die folgende Einwilligungserklärung ab: „Ich bin damit einverstanden, per E-Mail über Produktneuheiten, spannende Finanznachrichten und exklusive Sonderangebote informiert zu werden und willige daher in die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse zum Zwecke der Zusendung des Newsletters ein. Diese Einwilligung kann ich jederzeit und ohne Angabe von Gründen mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Die Rechtmäßigkeit der bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung bleibt im Falle des Widerrufs unberührt.“

Willst du Teil unserer Erfolgsstory sein?

Werde jetzt Teil vom #TeamGold

Offene Stellen