
Porsche im freien Fall: Absatzzahlen stürzen auf 16-Jahres-Tief

Der einstige Stolz der deutschen Automobilindustrie erlebt einen beispiellosen Einbruch. Die Porsche AG verzeichnet den dramatischsten Absatzrückgang seit der globalen Finanzkrise 2009 – ein Alarmsignal, das weit über die Grenzen des Stuttgarter Sportwagenbauers hinausreicht und die tiefgreifende Krise der europäischen Automobilbranche schonungslos offenlegt.
Historischer Einbruch erschüttert Anleger
Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache: Lediglich 279.449 Fahrzeuge konnte der 911-Hersteller im Geschäftsjahr 2025 weltweit an Kunden ausliefern. Das entspricht einem Rückgang von satten zehn Prozent gegenüber den 310.718 Einheiten des Vorjahres. Die Börse reagierte entsprechend nervös – die Porsche-Aktie steuert auf ihren steilsten Wochenrückgang seit dem Börsengang Ende 2022 zu, mit einem Minus von rund zehn Prozent.
Matthias Becker, Vorstandsmitglied für Vertrieb und Marketing bei Porsche, versuchte die desaströsen Zahlen zu relativieren. Die Entwicklung entspreche den Erwartungen und sei auf Lieferengpässe bei den Verbrennermodellen 718 und Macan, die anhaltend schwache Nachfrage nach Luxusprodukten in China sowie eine wertorientierte Angebotssteuerung zurückzuführen, so Becker in einer offiziellen Stellungnahme.
China-Schwäche und Elektro-Flaute als Sargnägel
Doch hinter den diplomatischen Formulierungen verbirgt sich eine weitaus beunruhigendere Realität. Der chinesische Markt, einst Wachstumsmotor für deutsche Premiumhersteller, entwickelt sich zunehmend zum Problemfall. Die dortige Kundschaft wendet sich verstärkt heimischen Anbietern zu, während die Nachfrage nach westlichen Luxusmarken spürbar nachlässt.
Hinzu kommt das Dilemma der Elektromobilität: Die von der Politik mit Nachdruck vorangetriebene Transformation erweist sich als kostspieliges Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen bleibt hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück, während die Entwicklungskosten die Margen auffressen.
Analysten bleiben skeptisch
Die Einschätzungen der Finanzexperten fallen ernüchternd aus. Von den befragten Analysten empfehlen gerade einmal fünf die Aktie zum Kauf, während dreizehn neutral bleiben und elf sogar zum Verkauf raten. Porsche-Finanzchef Jochen Breckner gab sich bei einem Investorengespräch in New York noch pessimistischer als zuvor – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Talsohle möglicherweise noch nicht erreicht ist.
„Porsche befindet sich in einer umfassenden Restrukturierung. Die Profitabilität steht seit dem Börsengang unter Druck. Dieses und nächstes Jahr werden Übergangsjahre sein."
So die nüchterne Analyse von Oddo-BHF-Analyst Anthony Dick.
Symptom einer kranken Branche
Die Porsche-Krise ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Die gesamte europäische Automobilindustrie kämpft mit sinkenden Absätzen, Gewinnwarnungen und dem wachsenden Konkurrenzdruck aus China. Die jahrelange Fokussierung auf Elektromobilität bei gleichzeitiger Vernachlässigung der Kundenwünsche rächt sich nun bitter.
Während deutsche Politiker weiterhin ideologiegetrieben das Verbrenner-Aus propagieren, verlieren heimische Hersteller Marktanteile an chinesische Konkurrenten, die pragmatischer agieren und sowohl Elektro- als auch Verbrennermodelle anbieten. Die Quittung für diese verfehlte Industriepolitik erhalten nun Aktionäre und Arbeitnehmer gleichermaßen.
Bernstein-Analysten sehen in der Berufung eines neuen Vollzeit-CEOs mit Ferrari- und McLaren-Erfahrung zumindest einen Hoffnungsschimmer. Doch ob dieser ausreicht, um den Traditionskonzern wieder auf Kurs zu bringen, bleibt abzuwarten. Die kommenden ein bis zwei Jahre werden zeigen, ob Porsche die Kurve kriegt – oder ob der freie Fall weitergeht.
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