
Gasspeicher-Desaster: Deutschlands größte Energiereserve fast leer – und niemand will schuld sein

Es ist ein Bild des Versagens, das sich da im niedersächsischen Rehden offenbart. Der größte unterirdische Erdgasspeicher Deutschlands, einst Stolz der nationalen Energieinfrastruktur, gleicht mittlerweile einem ausgetrockneten Brunnen. Gerade einmal zehn Prozent der Kapazität sind noch gefüllt – ein Wert, der selbst hartgesottene Energieexperten erschaudern lässt. Dabei sollten es laut Gasspeicherfüllstandsverordnung zum 1. Februar mindestens dreißig Prozent sein. Doch was kümmern schon Verordnungen, wenn die Verantwortlichen lieber mit dem Finger aufeinander zeigen?
Ein Speicher von strategischer Bedeutung
Der Gasspeicher Rehden ist kein gewöhnliches Lager. Mit einem Arbeitsgasvolumen von knapp 3,9 Milliarden Kubikmetern repräsentiert er etwa ein Fünftel der gesamten deutschen Speicherkapazität. Die Betreibergesellschaft SEFE – vormals unter dem Namen Gazprom Germania bekannt – wirbt nicht ohne Grund mit dem Slogan „GROSS. GRÖSSER. REHDEN." An diesem Standort kreuzen sich mehrere Erdgasleitungen, was ihm eine zentrale Rolle für die Versorgungssicherheit nicht nur Deutschlands, sondern ganz Europas verleiht.
Im Zuge der Energiekrise 2022 wurde der Speicher vom deutschen Staat übernommen, nachdem man dem russischen Mutterkonzern vorgeworfen hatte, bewusst eine Knappheit herbeigeführt zu haben. Damals lag der Füllstand bei mageren vier Prozent. Nun, drei Jahre später und unter staatlicher Kontrolle, sieht es kaum besser aus. Man fragt sich unwillkürlich: Was genau hat die Verstaatlichung eigentlich gebracht?
Die Bundesnetzagentur wäscht ihre Hände in Unschuld
Besonders pikant ist die Reaktion der Bundesnetzagentur auf die prekäre Lage. Die von Klaus Müller geführte Behörde – jenem Habeck-Vertrauten und ehemaligen Grünen-Politiker – weist jegliche Verantwortung von sich. Man wolle weder durch Abschaltungen noch durch die Festlegung von Quoten ins Marktgeschehen eingreifen, ließ die Regulierungsbehörde verlauten. Dafür müsste erst eine höhere Krisenstufe ausgerufen werden.
Aktuell gilt lediglich die sogenannte Frühwarnstufe Gas, in der schwerwiegende Eingriffe nicht möglich seien. Im Wesentlichen bedeutet dies, dass ein Krisenteam im Wirtschaftsministerium zusammentritt – mehr nicht. Selbst in der Alarmstufe als zweiter Eskalationsebene blieben Händler und Lieferanten verantwortlich und würden als Marktakteure in Eigenregie über ihre Strategien entscheiden. Erst in der Notfallstufe greife der Staat ein.
Ein bürokratisches Schwarzer-Peter-Spiel
Die Ausrufung dieser Stufen des Notfallplans Gas liegt nicht in der Verantwortung von Müllers Netzagentur – dafür sei die Bundesregierung zuständig, die eine entsprechende Verordnung beschließen müsste. Erst dann könne die Bundesnetzagentur als „Bundeslastverteiler" in Abstimmung mit den Netzbetreibern Verfügungen zur „Bezugsreduktion" erlassen. Der „lebenswichtige Bedarf an Gas" solle dann durch „hoheitliche Lastverteilung" gedeckt werden.
Man reibt sich verwundert die Augen: Wozu existiert eigentlich eine Bundesnetzagentur, wenn sie bei drohender Energieknappheit achselzuckend auf andere verweist? Müsste nicht gerade diese Behörde die Bundesregierung rechtzeitig über besorgniserregende Entwicklungen informieren und zum Handeln drängen?
Die Gesamtlage ist alarmierend
Im Durchschnitt sind die deutschen Gasspeicher derzeit nur noch zu 35 Prozent gefüllt. Das bundesweit vorgehaltene Gas reicht damit nur noch, um etwa zehn Prozent des deutschen Jahresbedarfs zu decken. Diese Zahlen sollten jeden Bürger aufhorchen lassen, denn sie bedeuten nichts Geringeres als eine potenzielle Versorgungskrise, sollte der Winter noch einmal zuschlagen oder geopolitische Verwerfungen die Lieferketten weiter belasten.
Die deutsche Industrie, ohnehin durch hohe Energiepreise und überbordende Bürokratie gebeutelt, blickt mit Sorge auf diese Entwicklung. Chemiekonzerne wie BASF befinden sich bereits auf Schrumpfkurs, und die niedrigen Gasspeicherstände dürften die Nervosität in den Vorstandsetagen weiter steigern.
Ein Versagen mit Ansage
Was wir hier erleben, ist das Ergebnis einer jahrelangen Energiepolitik, die ideologische Wunschträume über pragmatische Versorgungssicherheit gestellt hat. Die überstürzte Abkehr von fossilen Energieträgern, der Ausstieg aus der Kernkraft und die naive Hoffnung auf einen schnellen Umstieg zu erneuerbaren Energien haben Deutschland in eine prekäre Abhängigkeit manövriert.
Dass ausgerechnet ein ehemaliger Grünen-Politiker an der Spitze der Bundesnetzagentur sitzt und sich nun für die Misere nicht zuständig erklärt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Wäre der Speicher randvoll, würde man sich vermutlich gegenseitig auf die Schultern klopfen. Doch bei leeren Tanks zeigt jeder auf den anderen.
Die deutschen Bürger, die mit steigenden Energiekosten und der Angst vor Versorgungsengpässen leben müssen, haben diese Verantwortungslosigkeit satt. Es wird höchste Zeit, dass die Politik aufwacht und endlich handelt – bevor die Speicher vollständig leer sind und das Licht ausgeht.

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