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Kettner Edelmetalle
12.02.2026
18:39 Uhr

EU will Russlands Krypto-Schlupflöcher mit neuen Sanktionen schließen – doch Experten zweifeln

EU will Russlands Krypto-Schlupflöcher mit neuen Sanktionen schließen – doch Experten zweifeln

Die Europäische Union arbeitet an ihrem mittlerweile 20. Sanktionspaket gegen Russland und nimmt dabei erstmals den gesamten Kryptowährungssektor ins Visier. Brüssel plant offenbar ein umfassendes Verbot sämtlicher Krypto-Transaktionen mit russischen Akteuren – ein ambitioniertes Vorhaben, dessen praktische Umsetzbarkeit von Fachleuten jedoch erheblich angezweifelt wird.

Brüssel greift durch: Totale Blockade statt Einzelmaßnahmen

Wie die Financial Times am Dienstag berichtete, soll das neue Sanktionspaket deutlich über bisherige Maßnahmen hinausgehen. Während die EU bislang lediglich einzelne, bereits sanktionierte Plattformen und deren Ableger ins Visier nahm, verfolgt der neue Ansatz eine grundlegend andere Strategie. Einem internen Dokument der Europäischen Kommission zufolge habe sich gezeigt, dass die gezielte Sanktionierung einzelner Krypto-Dienstleister lediglich dazu führe, dass neue Anbieter gegründet würden, um die Beschränkungen zu umgehen.

Die Kommission wolle daher künftig jegliche Geschäftsbeziehung mit in Russland ansässigen Krypto-Dienstleistern sowie die Nutzung russischer Plattformen für den Transfer und Tausch von Kryptowerten untersagen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte bereits vergangene Woche angekündigt, dass das Paket auch 20 weitere russische Regionalbanken sowie mehrere Banken in Drittstaaten treffen solle. Darunter befinden sich Berichten zufolge zwei kirgisische Geldinstitute – die Keremet Bank und die OJSC Capital Bank of Central Asia – sowie Banken in Laos und Tadschikistan.

Im Fokus: Die rätselhafte Stablecoin A7A5

Besondere Aufmerksamkeit richtet sich auf die russische Zahlungsplattform A7 und deren an den Rubel gekoppelte Stablecoin A7A5. Trotz mehrerer Sanktionsrunden entwickelte sich A7A5 im Jahr 2025 zu einer der am schnellsten wachsenden nicht-dollarbasierten Stablecoins nach Marktkapitalisierung. Der Betreiber der Plattform hat die Vorwürfe, Sanktionsumgehungen zu ermöglichen, zurückgewiesen und diese als politisch motiviert und nicht durch Beweise gestützt bezeichnet.

Allerdings gibt es auch an der tatsächlichen Marktaktivität des Tokens erhebliche Zweifel. Das Blockchain-Analyseunternehmen Global Ledger will Muster identifiziert haben, die auf sogenanntes Wash Trading hindeuten – also auf künstlich aufgeblähte Handelsvolumina, die eine Nachfrage simulieren sollen, die in Wirklichkeit gar nicht existiert.

Dezentrale Infrastruktur als Achillesferse der Sanktionen

Genau hier liegt das fundamentale Problem des europäischen Vorhabens. Lex Fisun, Mitgründer und Geschäftsführer von Global Ledger, äußerte gegenüber Fachmedien erhebliche Bedenken an der Durchsetzbarkeit eines solchen Verbots. Das pauschale Verbot russischer Krypto-Aktivitäten offenbare ein grundlegendes Missverständnis dezentraler Liquiditätsmechanismen, so Fisun. Inhaber von Token wie A7A5 könnten diese über autonome Liquiditätspools auf der Blockchain in weltweit gehandelte Stablecoins tauschen – ganz ohne zentralisierte Intermediäre, die Compliance-Prüfungen durchführen.

Sobald Vermögenswerte über große globale Börsen und Liquiditätsknotenpunkte fließen, werde die Rückverfolgung der Transaktionshistorie zunehmend schwieriger. Ab einem gewissen Punkt sei es technisch schlicht unmöglich, diese Gelder von legitimer Marktaktivität zu unterscheiden. Europäische Börsen müssten, um ein solches Verbot durchzusetzen, sämtliche Zuflüsse von großen globalen Handelsplattformen blockieren – ein Schritt, der den legitimen Kryptomarkt faktisch lahmlegen würde.

Russland treibt eigene Krypto-Gesetzgebung voran

Während die EU an der Verschärfung ihrer Sanktionen arbeitet, schafft Russland parallel eigene rechtliche Rahmenbedingungen für digitale Vermögenswerte. Am Dienstag verabschiedeten russische Parlamentarier in dritter Lesung ein Gesetz, das Verfahren zum Einfrieren und zur Beschlagnahmung digitaler Währungen regelt. Moskau positioniert sich damit zunehmend als eigenständiger Akteur im digitalen Finanzraum – ungeachtet westlicher Restriktionen.

Das 20. Sanktionspaket soll voraussichtlich am 24. Februar verabschiedet werden – dem dritten Jahrestag des russischen Einmarsches in die Ukraine. Ob die geplanten Maßnahmen tatsächlich die gewünschte Wirkung entfalten oder ob die dezentrale Natur der Blockchain-Technologie einmal mehr die Grenzen staatlicher Regulierung aufzeigt, bleibt abzuwarten.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Kryptowährungen und andere digitale Vermögenswerte unterliegen erheblichen Risiken und regulatorischen Unsicherheiten. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die volle Verantwortung für seine Investitionsentscheidungen. In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten können physische Edelmetalle wie Gold und Silber als bewährter Baustein zur Vermögenssicherung eine sinnvolle Ergänzung eines breit diversifizierten Portfolios darstellen.

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