
Digitale Patientenakte: Zwischen Heilsversprechen und Datenchaos – warum Millionen Deutsche der ePA misstrauen
Die elektronische Patientenakte sollte das deutsche Gesundheitswesen revolutionieren. Stattdessen dümpelt sie wie ein gestrandeter Wal im seichten Wasser der Bürokratie. Millionen Versicherte besitzen sie, doch kaum jemand nutzt sie. Ein Armutszeugnis für die digitale Transformation made in Germany – und ein weiteres Beispiel dafür, wie unsere Regierung selbst die einfachsten Dinge verkompliziert.
Das große Versprechen: Transparenz und Kontrolle
Mehr Transparenz, bessere Kontrolle über Untersuchungsergebnisse, effizientere Behandlungen – so lauteten die vollmundigen Versprechungen, als die ePA eingeführt wurde. Die Realität sieht anders aus: Patienten scheitern bereits am Zugang. Es ist, als würde man jemandem einen Ferrari schenken, aber den Schlüssel in einem Tresor verstecken, dessen Kombination nur in Hieroglyphen verfügbar ist.
Die Techniker Krankenkasse bewertet den Start der E-Patientenakte zwar als "gelungen" – eine Einschätzung, die angesichts der mickrigen Nutzerzahlen fast schon zynisch wirkt. Immerhin fordert sie eine vereinfachte Handhabung. Ein revolutionärer Gedanke: Digitale Dienste sollten tatsächlich nutzbar sein!
Video-Identverfahren als Heilsbringer?
Nun soll es also ein Video-Identverfahren richten. Die Anmeldung soll einfacher werden, versprechen die Verantwortlichen. Man fragt sich unwillkürlich: Warum wurde das System nicht von Anfang an benutzerfreundlich gestaltet? In einer Zeit, in der selbst Achtjährige problemlos TikTok-Videos hochladen können, schaffen es erwachsene Deutsche nicht, auf ihre eigenen Gesundheitsdaten zuzugreifen.
Das Problem liegt tiefer. Es ist symptomatisch für den deutschen Umgang mit Digitalisierung: Erst wird ein überkomplexes System entwickelt, dann wundert man sich, dass niemand es nutzt, und schließlich bastelt man halbherzige Verbesserungen dran. Ein Teufelskreis der Inkompetenz.
Datenschutz als Totschlagargument
Natürlich darf in dieser Debatte das heilige deutsche Mantra nicht fehlen: der Datenschutz. Während in anderen Ländern digitale Gesundheitssysteme längst reibungslos funktionieren, versteckt sich Deutschland hinter Datenschutzbedenken. Dabei wäre gerade bei Gesundheitsdaten eine funktionierende digitale Infrastruktur lebensrettend – man denke nur an Notfälle, in denen Ärzte schnell auf wichtige Informationen zugreifen müssten.
Die Ironie dabei: Dieselben Bürger, die bei der ePA Datenschutzbedenken haben, teilen bereitwillig ihre intimsten Details auf Facebook oder lassen sich von Google auf Schritt und Tritt verfolgen. Aber sobald es um etwas wirklich Sinnvolles geht, wird der deutsche Michel zum Datenschutz-Fundamentalisten.
Ein Spiegelbild deutscher Politik
Die ePA-Misere ist ein perfektes Abbild der deutschen Politik unter der Großen Koalition. Große Ankündigungen, mittelmäßige Umsetzung, katastrophale Ergebnisse. Während andere Länder ihre Gesundheitssysteme digitalisieren, diskutiert Deutschland über Video-Identverfahren. Es ist, als würde man im Jahr 2025 noch darüber debattieren, ob Faxgeräte vielleicht doch eine Zukunft haben.
Die neue Regierung unter Friedrich Merz hatte versprochen, die Digitalisierung voranzutreiben. Doch statt mutiger Reformen erleben wir das übliche Klein-Klein. Man könnte meinen, die deutsche Bürokratie hätte ein Eigenleben entwickelt und wehre sich mit allen Mitteln gegen jede Form von Modernisierung.
Was wirklich nötig wäre
Statt an Symptomen herumzudoktern, bräuchte es einen radikalen Neustart. Ein System, das von Anfang an nutzerfreundlich konzipiert ist. Eine Infrastruktur, die funktioniert. Und vor allem: den politischen Willen, Deutschland endlich ins 21. Jahrhundert zu führen.
Doch davon sind wir weit entfernt. Während die Politik von einem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur träumt – Geld, das künftige Generationen über Steuern und Abgaben zurückzahlen müssen –, scheitert sie an den einfachsten digitalen Projekten. Es ist zum Verzweifeln.
Die ePA könnte ein Segen für Millionen Patienten sein. Stattdessen ist sie ein weiteres Monument deutscher Digitalisierungs-Unfähigkeit. Und während wir über Video-Identverfahren diskutieren, ziehen andere Länder an uns vorbei. Aber hey, wenigstens haben wir den besten Datenschutz der Welt – auch wenn er uns in die digitale Steinzeit katapultiert.
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