
Beamte sollen bis 72 arbeiten: Radikaler Vorstoß sorgt für Aufruhr
Die deutsche Rentendebatte erreicht einen neuen Höhepunkt der Absurdität. Während die schwarz-rote Koalition unter Friedrich Merz noch immer nach Lösungen für die maroden Sozialsysteme sucht, präsentiert das Pestel-Institut einen Vorschlag, der an Dreistigkeit kaum zu überbieten ist: Beamte sollen künftig fünfeinhalb Jahre länger arbeiten als normale Arbeitnehmer – weil sie statistisch gesehen länger leben. Ein Schlag ins Gesicht für alle, die ihr Leben lang dem Staat gedient haben.
Die perfide Logik der Technokraten
Die Argumentation der Forscher klingt auf den ersten Blick bestechend einfach: Wer länger lebt, soll auch länger arbeiten. Doch was hier als wissenschaftlich fundierte Lösung verkauft wird, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als gefährlicher Präzedenzfall. Sollen künftig alle Berufsgruppen nach ihrer statistischen Lebenserwartung in Rente gehen? Müssten dann Dachdecker mit 55 aufhören dürfen, während Universitätsprofessoren bis 75 lehren?
Die 1,8 Millionen Beamten in Deutschland haben sich nicht ausgesucht, länger zu leben. Ihre höhere Lebenserwartung resultiert aus verschiedenen Faktoren: besserer Gesundheitsvorsorge, weniger körperlich belastender Arbeit und – ja, auch das muss gesagt werden – einem sichereren Arbeitsumfeld. Dafür sollen sie nun bestraft werden?
Der wahre Skandal: Politisches Versagen auf ganzer Linie
Während die Politik über solche Scheinlösungen diskutiert, wird das eigentliche Problem konsequent ignoriert. Die Rentenkasse blutet aus, weil jahrzehntelang versäumt wurde, ein nachhaltiges System zu schaffen. Stattdessen wurden Wahlgeschenke verteilt, die Rente mit 63 eingeführt und gleichzeitig die Geburtenrate auf historische Tiefststände fallen gelassen.
Besonders pikant: Ausgerechnet die CDU, die jahrzehntelang die Beamtenschaft als treue Wählerklientel gehätschelt hat, lässt nun durch ihren Generalsekretär Carsten Linnemann verkünden, man wolle weniger Beamte. Ein Verrat an den eigenen Stammwählern, der seinesgleichen sucht.
Die Heuchelei der Rente mit 63
Der größte Hohn in dieser Debatte? Während Beamte bis 72 schuften sollen, profitieren von der Rente mit 63 hauptsächlich jene, die keine körperlich harte Arbeit verrichten mussten. Bürokräfte, Verwaltungsangestellte und andere Schreibtischtäter gehen vorzeitig in den Ruhestand, während der Maurer mit kaputtem Rücken bis zur regulären Altersgrenze durchhalten muss.
Diese Ungerechtigkeit schreit zum Himmel. Doch statt sie zu beseitigen, erfindet man lieber neue Ungerechtigkeiten. Die Botschaft ist klar: Wer dem Staat treu dient, wird am Ende dafür bestraft.
Ein Blick in die düstere Zukunft
Was hier als wissenschaftlicher Vorschlag daherkommt, könnte der Anfang einer gefährlichen Entwicklung sein. Wenn Lebenserwartung zum Kriterium für die Rentendauer wird, öffnet das Tür und Tor für weitere Diskriminierungen. Sollen Frauen länger arbeiten, weil sie statistisch älter werden? Müssen Nichtraucher länger im Büro sitzen als Raucher?
Die neue Bundesregierung unter Merz hat versprochen, keine neuen Schulden zu machen. Doch mit ihrem 500-Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur bricht sie dieses Versprechen bereits. Die Zeche zahlen werden die kommenden Generationen – und offenbar auch die Beamten, die man einfach länger arbeiten lässt.
Zeit für echte Reformen statt Scheinlösungen
Deutschland braucht keine Rentendebatte, die Berufsgruppen gegeneinander ausspielt. Was wir brauchen, sind mutige Reformen, die das System zukunftsfähig machen. Dazu gehört auch die unbequeme Wahrheit, dass unser umlagefinanziertes Rentensystem in seiner jetzigen Form nicht mehr funktioniert.
Statt Beamte zu bestrafen, sollte die Politik endlich über kapitalgedeckte Altersvorsorge nachdenken. Länder wie die Schweiz oder Schweden machen es vor. Doch dafür müsste man zugeben, dass die heilige Kuh des deutschen Sozialstaats geschlachtet werden muss. Und diesen Mut bringt in Berlin offenbar niemand auf.
Die Deutschen haben es satt, dass auf ihrem Rücken Verteilungskämpfe ausgetragen werden. Sie wollen keine Rentenpolitik, die nach Gutsherrenart entscheidet, wer wann in den Ruhestand darf. Sie wollen Gerechtigkeit und Planungssicherheit. Beides ist mit solchen Vorschlägen in weite Ferne gerückt.