
Arbeitszeitgesetz vor dem Aus? Merz-Regierung plant radikale Flexibilisierung für Tourismusbranche

Die neue Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz macht Ernst mit ihren Ankündigungen zur Deregulierung des Arbeitsmarktes. Am Mittwoch beschloss das Kabinett die nationale Tourismusstrategie – und darin verbirgt sich nichts Geringeres als ein fundamentaler Angriff auf den heiligen Gral der deutschen Arbeitszeitregelung: den Acht-Stunden-Tag.
Wochenhöchstarbeitszeit statt Tageslimit – ein überfälliger Paradigmenwechsel
Was Gewerkschaftsfunktionäre in Schnappatmung versetzt, dürfte für Millionen von Arbeitnehmern und Unternehmern gleichermaßen eine Befreiung darstellen. Die Bundesregierung plant, das starre Korsett der täglichen Höchstarbeitszeit von acht Stunden durch eine flexible Wochenobergrenze zu ersetzen. Künftig sollen Arbeitstage von bis zu zwölf oder gar dreizehn Stunden möglich werden – selbstverständlich im Rahmen der EU-Arbeitszeitrichtlinie, die eine wöchentliche Obergrenze von 48 Stunden vorsieht.
Endlich, möchte man ausrufen! Denn das deutsche Arbeitszeitgesetz stammt in seinen Grundzügen aus einer Zeit, als Fließbandarbeit und Schwerindustrie das Bild der Arbeitswelt prägten. Die Realität des 21. Jahrhunderts sieht anders aus. Saisonbetriebe, Gastronomie und Hotellerie kämpfen seit Jahren mit absurden bürokratischen Hürden, während gleichzeitig der Fachkräftemangel die Branche würgt.
Tourismus als Testballon für die gesamte Wirtschaft
Der Fremdenverkehr, der mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze in Deutschland sichert, soll nun zum Vorreiter einer längst überfälligen Reform werden. Tourismus-Koordinator Christoph Ploß kündigte gegenüber der Presse an, das Kabinett strebe einen entsprechenden Vorstoß noch in diesem Jahr an. Von der Flexibilisierung würden nicht nur mittelständische Unternehmen profitieren, sondern auch Millionen Arbeitnehmer.
Sören Hartmann, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft, begrüßte die Strategie mit deutlichen Worten:
„Das ist ein wichtiges Signal für die Branche in aktuell nicht immer einfachem Fahrwasser."
Steuerfreie Überstunden und Aktivrente – endlich Anreize für Leistung
Die Tourismusstrategie enthält weitere Maßnahmen, die das Herz jedes wirtschaftlich denkenden Menschen höherschlagen lassen. Überstundenzuschläge sollen künftig steuerfrei gestellt werden. Eine steuerliche Begünstigung für Prämien bei Ausweitung der Arbeitszeit von Teilzeitkräften steht ebenfalls auf der Agenda. Seit dem 1. Januar 2026 gilt zudem die sogenannte Aktivrente, die Arbeitnehmern jenseits des Renteneintrittsalters zusätzliche steuerfreie Einkünfte von bis zu 2.000 Euro ermöglicht.
Hinzu kommen Entlastungen für Unternehmen: Die Umsatzsteuer auf Speisen in der Gastronomie soll dauerhaft bei sieben Prozent bleiben. Ab 2028 ist eine schrittweise Senkung der Körperschaftsteuer geplant. Die Bundesregierung kündigt außerdem an, von der bisherigen Praxis der Übererfüllung von EU-Vorgaben abrücken zu wollen – ein längst überfälliges Eingeständnis deutscher Regulierungswut.
Gewerkschaften und Grüne erwartungsgemäß empört
Wenig überraschend formiert sich Widerstand aus den üblichen Kreisen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten spricht von einem „erneuten Angriff auf die Schutzrechte der Beschäftigten". Die Grünen kritisierten die Strategie als oberflächliches Sammelsurium aus Worthülsen. Man reibt sich verwundert die Augen: Dieselben politischen Kräfte, die jahrelang die Vereinbarkeit von Familie und Beruf predigten, lehnen nun flexible Arbeitszeiten ab, die genau diese Vereinbarkeit ermöglichen würden.
Die Wahrheit ist: Deutschland hat sich mit seiner Überregulierung selbst gefesselt. Während andere Länder pragmatische Lösungen finden, erstickt die deutsche Wirtschaft an Bürokratie und ideologischen Scheuklappen. Dass ausgerechnet die Tourismusbranche nun den Weg weisen soll, ist symptomatisch für den Reformstau der vergangenen Jahre.
Ein Hoffnungsschimmer für den Wirtschaftsstandort
Die neue Bundesregierung scheint zumindest in Teilen verstanden zu haben, dass wirtschaftliche Prosperität nicht durch immer neue Vorschriften entsteht, sondern durch Freiräume für unternehmerisches Handeln. Ob die angekündigten Reformen tatsächlich umgesetzt werden oder im politischen Tagesgeschäft versanden, bleibt abzuwarten. Die Erfahrung lehrt Skepsis – doch die Richtung stimmt.

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