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Goldschmuck als Wertanlage? Warum Schmuckgold und Anlagegold zwei Paar Schuhe sind

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Zum Geburtstag eine schwere Goldkette, zur Hochzeit die Ringe, geerbt der Armreif der Großmutter: Millionen Deutsche tragen ein kleines Vermögen am Körper und glauben, damit automatisch in Gold investiert zu sein. Diese Rechnung geht selten auf. Zwischen dem Goldwert im Schmuckstück und dem Betrag, den Sie beim Verkauf zurückbekommen, klafft oft eine erhebliche Lücke. Wer Gold als Wertspeicher nutzen möchte, sollte verstehen, warum Schmuckgold und Anlagegold zwei grundverschiedene Dinge sind.

Goldschmuck und Goldbarren nebeneinander in warmem Licht als Gegenüberstellung
Optisch verwandt, wirtschaftlich verschieden: Schmuck und Anlagegold folgen unterschiedlichen Regeln.

Warum viele Goldschmuck mit einer Geldanlage verwechseln

Die Verwechslung liegt nahe, denn Gold ist Gold. Doch der Preis, den Sie für ein Schmuckstück zahlen, hat mit dem reinen Materialwert oft nur am Rande zu tun. Ein Ring aus 750er Gold enthält 75 Prozent Feingold, der Rest ist Legierungsmetall. Beim Kauf bezahlen Sie zusätzlich Design, Markenname, Handwerk, Handelsmargen und Mehrwertsteuer. Beim Verkauf zählt für den Ankäufer im Zweifel nur eines: der enthaltene Feingoldanteil zum Tagespreis.

Genau hier trennen sich die Wege. Anlagegold ist darauf ausgelegt, Wert möglichst verlustarm zu speichern und wieder in Geld zurückzuverwandeln. Schmuckgold dient dem Tragen, dem Schenken, dem Erinnern. Beides kann Freude machen, aber nur eines eignet sich als planbarer Wertspeicher. Wer diese beiden Funktionen vermischt, zahlt am Ende doppelt: einmal beim überteuerten Kauf und einmal beim schlechten Wiederverkauf.

Feingehalt: Was 585 und 750 wirklich bedeuten

Der wichtigste Unterschied steckt im Feingehalt. Er gibt an, wie viel reines Gold in einer Legierung enthalten ist, gemessen in Tausendstel. Auf Schmuck finden Sie diese Angabe meist als kleine Punze eingestempelt.

Nahaufnahme von Goldschmuck mit eingestempelten Feingehalt-Punzen auf dunklem Samt
Die eingestempelte Punze verrät den Feingehalt: 585 bedeutet 58,5 Prozent reines Gold, 750 entsprechend 75 Prozent.
  • 333er Gold (8 Karat): nur 33,3 Prozent Feingold. In Deutschland verbreitet, im Ausland oft nicht als Gold anerkannt. Sehr niedriger Materialwert.
  • 585er Gold (14 Karat): 58,5 Prozent Feingold. Der Klassiker für Trauringe und Alltagsschmuck, robust, aber weit von reinem Gold entfernt.
  • 750er Gold (18 Karat): 75 Prozent Feingold. Hochwertiger Schmuck, edler Farbton, dennoch ein Viertel Fremdmetall.
  • 999er Gold (24 Karat): 99,9 Prozent Feingold. Der Standard für Anlagemünzen und Barren, für Alltagsschmuck zu weich.

Rechnen wir es durch: In einer 585er-Goldkette von 20 Gramm stecken nur rund 11,7 Gramm reines Gold. Ein 750er-Armband von 20 Gramm enthält 15 Gramm Feingold. Eine Anlagemünze wie der Krügerrand hingegen enthält eine ganze Unze, also gut 31,1 Gramm reines Gold. Für den Werterhalt zählt allein dieser Feingoldanteil, nicht das Bruttogewicht des Schmuckstücks. Wer die Systematik der Feingehalte vertiefen möchte, findet Details in unserem Ratgeber zum Feingehalt bei Gold und Silber.

Der Herstellungsaufschlag: Wo Ihr Geld beim Schmuckkauf hingeht

Der eigentliche Kostentreiber bei Schmuck ist nicht das Metall, sondern alles drumherum. Der Ladenpreis eines Schmuckstücks setzt sich grob aus diesen Bausteinen zusammen:

  1. Materialwert des enthaltenen Feingolds zum Tagespreis
  2. Legierungs- und Verarbeitungskosten (Guss, Fassung, Politur)
  3. Designaufschlag und gegebenenfalls Markenprämie
  4. Handelsmarge des Juweliers
  5. 19 Prozent Mehrwertsteuer auf den gesamten Betrag

In Summe kann der Verkaufspreis eines Schmuckstücks ein Vielfaches seines reinen Goldwerts betragen. Bei Designer- oder Markenschmuck ist der Materialanteil am Kaufpreis mitunter zweitrangig. Dieser Aufschlag ist beim Wiederverkauf praktisch immer verloren, denn ein Ankäufer bezahlt keine Designprämie und keine Mehrwertsteuer zurück. Er bewertet das Stück nach Feingoldgehalt.

Der entscheidende Punkt

Bei Anlagegold ist der Aufschlag über dem reinen Materialwert vergleichsweise gering und transparent. Bei Schmuck ist er hoch und beim Verkauf meist vollständig verloren. Genau diese Differenz macht Schmuck als Wertanlage ungeeignet.

Goldschmuck verkaufen: Die ernüchternde Wiederverkaufsquote

Wer Goldschmuck verkaufen will, landet in der Regel bei einem Goldankäufer, einem Pfandhaus oder einer Scheideanstalt. Deren Rechnung ist nüchtern: Sie bezahlen den Feingoldwert abzüglich einer Marge für Prüfung, Einschmelzen und Gewinn. Das Design, der einstige Ladenpreis, der emotionale Wert spielen keine Rolle.

Für ein 585er-Schmuckstück erhalten Sie also den Gegenwert von 58,5 Prozent des Gewichts zum Goldpreis, minus Ankaufsabschlag. Von dem, was Sie ursprünglich im Laden bezahlt haben, bleibt häufig nur ein Bruchteil übrig. Diese Lücke zwischen Kaufpreis und Wiederverkaufserlös ist der Kern des Problems.

Anders bei Anlagegold: Eine gängige Anlagemünze oder ein Barren eines anerkannten Herstellers lässt sich weltweit zu einem Preis nahe am Goldkurs verkaufen. Der Abstand zwischen An- und Verkauf, die sogenannte Spanne, ist eng und kalkulierbar. Wenn Sie überlegen, aus Altschmuck Kapital zu schlagen, lohnt sich vorher ein Blick in unseren Ratgeber zur Edelmetallscheidung sowie zum Thema Zahngold richtig trennen.

Schmuck gegen Anlagegold: der direkte Vergleich

Die folgende Übersicht stellt die beiden Welten gegenüber. Sie zeigt, warum dieselbe Menge Kapital in Anlagegold deutlich mehr Werterhalt liefert als in Schmuck.

Schmuckgold und Anlagegold im Vergleich
KriteriumGoldschmuckAnlagegold
Typischer Feingehalt333 bis 750916 bis 999,9
Aufschlag beim Kaufhoch (Design, Marke, Marge, MwSt.)gering und transparent
Mehrwertsteuer auf Gold19 ProzentAnlagegold ist mehrwertsteuerbefreit
Wiederverkaufnur Feingoldwert minus Abschlagnahe am Tagespreis, weltweit
Preis pro Stück nachvollziehbarschwerklar am Goldkurs orientiert
Primärer ZweckTragen, SchenkenWert speichern

Mehrwertsteuer als Hebel: Ein oft übersehener Vorteil: Anlagegold ist in der EU von der Mehrwertsteuer befreit. Als Anlagegold gelten Goldbarren ab einem Feingehalt von 995 Tausendstel sowie anerkannte Goldmünzen ab 900 Tausendstel, weshalb auch der 916er-Krügerrand steuerfrei bleibt. Beim Schmuckkauf zahlen Sie dagegen 19 Prozent Umsatzsteuer, die beim Verkauf nicht zurückkommt. Allein dieser Punkt kostet Sie beim Schmuck einen guten Teil des Kapitals, das bei Anlagegold voll erhalten bliebe.

Wie Anlagegold denselben Werterhalt ohne Aufpreis liefert

Anlagegold gibt es in zwei Grundformen: als Münze und als Barren. Beide sind darauf ausgelegt, den Goldwert möglichst rein und handelbar abzubilden.

Gestapelte Goldbarren und Anlagemünzen in warmem Licht auf dunklem Untergrund
Anlagegold bildet den Goldwert nahezu vollständig ab: 999er-Barren und Anlagemünzen mit engen Handelsspannen.

Anlagemünzen

Klassiker wie der Krügerrand, der Wiener Philharmoniker, der Maple Leaf oder der American Eagle sind weltweit bekannt und werden von staatlichen Prägeanstalten hergestellt. Ihr Feingoldgehalt ist genormt, ihre Echtheit leicht prüfbar, ihr Wiederverkauf unkompliziert. Kettner Edelmetalle ist offizieller deutscher Partner der South African Mint für den Krügerrand.

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Goldbarren

Barren gibt es von einem Gramm bis zu einem Kilogramm. Je größer der Barren, desto geringer der prozentuale Aufschlag pro Gramm Gold. Barren anerkannter Hersteller tragen Prägestempel mit Feingehalt, Gewicht und Herstellernummer und sind damit sofort zuzuordnen.

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Wie sich der Goldpreis über längere Zeiträume entwickelt hat, zeigt der folgende Chart. Für den Werterhalt ist die langfristige Kursentwicklung des reinen Goldes entscheidend, nicht der Ladenpreis eines Schmuckstücks.

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Wann Goldschmuck trotzdem seine Berechtigung hat

Nichts spricht dagegen, Goldschmuck zu kaufen und zu tragen. Er hat einen emotionalen und ästhetischen Wert, den kein Barren ersetzt. Problematisch wird es nur, wenn Schmuck als Ersatz für eine bewusste Geldanlage verstanden wird. Ein paar Fälle, in denen Schmuck durchaus mehr als nur Materialwert behält:

  • Sammlerstücke und Antiquitäten: Historische oder signierte Stücke mit dokumentierter Herkunft können über den Goldwert hinaus einen Liebhaberpreis erzielen.
  • Etablierte Luxusmarken: Bestimmte Marken halten ihren Wiederverkaufswert besser, allerdings auf einem unsicheren Zweitmarkt und nie garantiert.
  • Persönlicher Wert: Erbstücke und Erinnerungsstücke haben einen Wert, der sich nicht in Euro messen lässt.

Für die reine Vermögenssicherung bleibt der Grundsatz: Wer Wert speichern will, greift zu Anlagegold. Wer sich schmücken will, kauft Schmuck. Beides zu vermischen, führt fast immer zu Enttäuschungen beim Verkauf.

Faustregel

Fragen Sie sich vor dem Kauf: Möchte ich das Stück tragen oder möchte ich Kapital sichern? Bei der zweiten Antwort ist Anlagegold in nahezu jedem Fall die effizientere Wahl.

Anlagegold statt Schmuck: So gehen Sie es an

Wenn Sie vom Gedanken an Schmuck als Wertanlage zu echtem Anlagegold wechseln möchten, hilft ein strukturiertes Vorgehen:

  1. Legen Sie fest, welchen Betrag Sie langfristig in Gold binden möchten.
  2. Entscheiden Sie zwischen Münzen (leicht handelbar, stückelbar) und Barren (geringerer Aufschlag bei großen Einheiten).
  3. Achten Sie auf 999er oder 999,9er Feingehalt und anerkannte Hersteller beziehungsweise staatliche Prägeanstalten.
  4. Kaufen Sie nur bei Händlern mit transparenter Preisstellung und geprüfter Echtheit.
  5. Bewahren Sie das Gold sicher auf und heben Sie Kaufbelege für den späteren Verkauf auf.

Einen Überblick über gängige Anlagemünzen und Barren finden Sie in unseren Kategorien Goldmünzen und Goldbarren. Beide Formen bilden den Goldwert nahezu vollständig ab und lassen sich jederzeit wieder veräußern.

Häufige Fragen zu Goldschmuck als Wertanlage

Ist Goldschmuck eine gute Wertanlage?

In den meisten Fällen nicht. Der hohe Aufschlag für Design, Marke und Handelsmarge sowie die Mehrwertsteuer sind beim Verkauf verloren. Zudem haben Schmuckstücke mit 585er oder 750er Gold einen deutlich geringeren Feingoldanteil als Anlagegold. Wer Wert speichern will, fährt mit Anlagemünzen oder Barren fast immer besser.

Was bedeuten die Stempel 585 und 750 auf Schmuck?

Die Zahlen geben den Feingehalt in Tausendstel an. 585 bedeutet 58,5 Prozent reines Gold (14 Karat), 750 steht für 75 Prozent (18 Karat). Der Rest besteht aus Legierungsmetallen wie Kupfer oder Silber, die Farbe und Härte beeinflussen.

Wie viel Geld bekomme ich beim Verkauf von Goldschmuck?

Ankäufer bezahlen den enthaltenen Feingoldwert zum Tagespreis, abzüglich einer Marge für Prüfung und Einschmelzen. Design und ursprünglicher Ladenpreis werden nicht vergütet. Für ein 585er-Stück erhalten Sie also nur den Gegenwert von 58,5 Prozent des Gewichts, minus Abschlag.

Warum ist Anlagegold günstiger als Schmuck bei gleichem Goldwert?

Anlagegold ist in der EU von der Mehrwertsteuer befreit und hat nur einen geringen, transparenten Aufschlag über dem Materialwert. Schmuck trägt dagegen 19 Prozent Mehrwertsteuer sowie Design- und Handelsmargen, die beim Wiederverkauf nicht zurückkommen.

Sollte ich meinen Goldschmuck verkaufen und in Anlagegold umschichten?

Das hängt vom Stück ab. Reiner Gebrauchsschmuck ohne Sammlerwert lässt sich sinnvoll in Anlagegold umschichten, um den vollen Goldwert langfristig zu erhalten. Erbstücke, Sammlerstücke oder Erinnerungsstücke behalten dagegen einen Wert, der über den Materialpreis hinausgeht. Prüfen Sie jedes Stück einzeln.

Welchen Feingehalt sollte Anlagegold haben?

Anlagemünzen und Barren haben in der Regel einen Feingehalt von 999 oder 999,9, also nahezu reines Gold. Historische Anlagemünzen wie der Krügerrand bestehen aus einer härteren 916er-Legierung, enthalten aber dennoch exakt eine Unze Feingold. Entscheidend ist stets der garantierte Feingoldgehalt.

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Die Stimmen des Abends

Marc Friedrich

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