
Kaiserreich-Goldmünzen 10 und 20 Mark: Ratgeber zu Wilhelm I., Wilhelm II. und Co.
Eine 20-Mark-Goldmünze aus der Zeit Kaiser Wilhelms I. wiegt nicht einmal acht Gramm, trägt aber rund 7,16 Gramm reines Gold und mehr als 130 Jahre deutsche Geschichte in sich. Genau diese Kombination macht Reichsgoldmünzen zu einem der beständigsten Einstiegssegmente für Anleger und Sammler: bezahlbar pro Stück, eng am Goldpreis und mit einem historischen Reiz, den moderne Anlagemünzen nicht bieten. Dieser Ratgeber erklärt Feingehalt, Goldgewicht, Prägestätten, Erhaltungsgrade und das Aufgeld der 10- und 20-Mark-Stücke von Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. -- und worauf Sie beim Kauf achten sollten.
Wie das Kaiserreich-Gold entstand
Mit der Proklamation des preußischen Königs Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser am 18. Januar 1871 entstand nicht nur ein neuer Nationalstaat, sondern auch ein gemeinsames Währungssystem. Die zuvor zersplitterte Münzlandschaft aus Talern, Gulden und Kreuzern wurde durch die Mark als einheitliche Reichswährung abgelöst. Mit dem Münzgesetz von 1871 und der Reichsgoldwährung stellte das junge Reich seine Geldordnung auf eine Goldbasis -- ein Schritt, der die Kaiserreich-Goldmünzen erst hervorbrachte.
Die föderale Struktur des Reichs blieb auf den Münzen sichtbar: Während die Wertseite reichseinheitlich gestaltet war, durften die Bundesfürsten der insgesamt 25 Bundesstaaten eigene Porträts prägen lassen. So entstanden Goldmünzen mit den Bildnissen zahlreicher Könige, Großherzöge, Herzöge und Fürsten -- von Preußen über Sachsen und Bayern bis zu kleinen Staaten wie Sachsen-Coburg-Gotha, Anhalt oder Mecklenburg-Schwerin. Die Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Lübeck zeigten statt eines Herrscherporträts ihr Stadtwappen.
Geprägt wurde Reichsgold in den Werten 5, 10 und 20 Mark. Die 5-Mark-Goldmünze wurde nur in den Jahren 1877 und 1878 ausgegeben und blieb wegen ihres geringen Durchmessers im Zahlungsverkehr unbeliebt -- entsprechend selten ist sie heute. Das eigentliche Rückgrat des Umlaufs bildeten die 10- und 20-Mark-Stücke, die zwischen 1871 und 1915 in großen Mengen entstanden und heute den Kern jeder Sammlung von Reichsgoldmünzen ausmachen.
Feingehalt und Goldgewicht: die harten Zahlen
Reichsgoldmünzen wurden reichseinheitlich aus 900er Gold (Feingehalt 0,900, also 21,6 Karat) gefertigt. Der Rest besteht aus Kupfer, das die weichen Münzen widerstandsfähiger gegen Abrieb macht. Diese Legierung ist über alle Bundesstaaten und Prägejahre hinweg identisch -- nur Motiv und Gewicht unterscheiden sich nach Nennwert.
Die Eckdaten von 10 und 20 Mark
- 20 Mark: Gesamtgewicht 7,965 g, Feingehalt 900/1000, Feingold rund 7,1685 g, Durchmesser 22,5 mm
- 10 Mark: Gesamtgewicht 3,9825 g, Feingehalt 900/1000, Feingold rund 3,5842 g, Durchmesser 19,5 mm
- 5 Mark: Gesamtgewicht 1,9912 g, Feingold rund 1,7921 g, Durchmesser 17,0 mm (selten, nur 1877 und 1878 geprägt)
Praktisch bedeutet das: Eine 20-Mark-Münze enthält knapp ein Viertel Unze Feingold (eine Feinunze entspricht 31,103 g), eine 10-Mark-Münze rund ein Achtel Unze. Der reine Materialwert einer Münze lässt sich daher leicht überschlagen, indem Sie das Feingoldgewicht mit dem aktuellen Goldpreis je Gramm multiplizieren. Der Goldgehalt der 20 Mark ist über alle Bundesstaaten gleich -- ein Stück aus Bayern enthält exakt so viel Gold wie eines aus Preußen oder Sachsen.
Vergleich mit anderen historischen Goldmünzen
Reichsgold gehört in eine Reihe historischer europäischer Kleingoldmünzen, auch wenn das Kaiserreich -- anders als Frankreich, Belgien oder die Schweiz -- nicht Teil der Lateinischen Münzunion war und einen eigenen Münzfuß nutzte. Im Goldgehalt ist eine deutsche 20-Mark-Münze (rund 7,17 g Feingold) mit dem französischen 20-Franc-Stück (rund 5,81 g Feingold) oder dem Schweizer 20-Franken-Vreneli (rund 5,81 g Feingold) vergleichbar, fällt aber etwas schwerer aus. Wer ein breit gestreutes Bündel historischer Kleingoldmünzen sucht, kombiniert Reichsgold oft mit diesen internationalen Pendants.
Prägestätten und ihre Buchstaben
Jede Reichsgoldmünze trägt einen Münzbuchstaben, der die Prägeanstalt kennzeichnet. Dieser kleine Buchstabe -- meist unter dem Porträt oder am Rand der Wertseite -- ist für Sammler entscheidend, weil manche Kombinationen aus Jahrgang und Prägestätte deutlich seltener sind als andere.
- A -- Berlin (preußische Hauptmünze, größte Stückzahlen)
- B -- Hannover (bis 1878)
- C -- Frankfurt am Main (bis 1879)
- D -- München
- E -- Dresden bzw. später Muldenhütten (Sachsen)
- F -- Stuttgart
- G -- Karlsruhe
- H -- Darmstadt (bis 1882)
- J -- Hamburg
Für Anleger, denen es vorrangig um das Gold geht, spielt der Münzbuchstabe kaum eine Rolle -- der Materialwert ist unabhängig von der Prägestätte. Für Sammler dagegen entscheidet er häufig über das Aufgeld: Ein gängiges Berliner Stück (A) ist preiswerter zu bekommen als eine kleine Auflage aus Darmstadt oder Frankfurt.
Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II.: die wichtigsten Porträts
Im Zentrum des Sammlerinteresses stehen die preußischen Porträts, weil Preußen die mit Abstand größten Stückzahlen prägte. Drei Kaiser prägten das Bild der Münzen besonders -- und das berühmte Dreikaiserjahr 1888 hat hier seinen numismatischen Niederschlag.
Wilhelm I. (1871-1888)
Der erste Deutsche Kaiser ist auf den frühesten und zahlreichsten Reichsgoldmünzen zu sehen. Die 10 Mark Preußen Wilhelm I. und die 20-Mark-Pendants gehören zu den meistgehandelten Kaiserreich-Goldmünzen überhaupt und sind daher oft mit vergleichsweise niedrigem Aufgeld erhältlich. Die Erstausgabe der 10 Mark stammt aus dem Jahr 1872.
Friedrich III. (1888)
Friedrich III. regierte im Dreikaiserjahr 1888 nur 99 Tage, bevor er einer schweren Erkrankung erlag. Seine Münzen wurden entsprechend kurz und in begrenzter Zahl geprägt, was die 20 Mark Friedrich III. für viele Sammler zu einem gesuchten Jahrgangsstück macht. Trotz der kurzen Regentschaft ist das Porträt auf dem Markt regelmäßig verfügbar.
Wilhelm II. (1888-1918)
Der letzte Deutsche Kaiser prägte über drei Jahrzehnte. Von ihm existieren mehrere Porträtvarianten, darunter eine spätere Darstellung in Uniform, die als eigene Variante gehandelt wird. Auch hier bilden die 10- und 20-Mark-Stücke das Rückgrat des Angebots.
Erhaltungsgrade verstehen
Anders als bei neuen Anlagemünzen schwankt der Zustand historischer Münzen stark. Die Erhaltung beschreibt, wie gut Relief und Oberfläche nach über einem Jahrhundert Umlauf erhalten sind. Sie wird in standardisierten Graden angegeben:
- s (schön): deutlich abgegriffen, Motiv erkennbar, aber stark berieben
- ss (sehr schön): mäßige Gebrauchsspuren, Hauptdetails klar
- vz (vorzüglich): nur leichte Spuren, feines Relief weitgehend erhalten
- st (Stempelglanz): nahezu prägefrisch, kaum Umlaufspuren
Anlageorientierte Stücke werden häufig in der Spanne ss-vz gehandelt. Weil jede Münze ein Einzelstück mit eigener Geschichte ist, weichen die Zustände innerhalb einer Lieferung leicht voneinander ab -- bei numismatischen Münzen ist das üblich und kein Mangel. Wer gezielt auf Spitzenerhaltung setzt, zahlt dafür ein höheres Aufgeld, das stärker vom Sammlermarkt als vom Goldpreis abhängt.
Aufgeld: warum Sie mehr als den Goldwert zahlen
Das Aufgeld (auch Agio genannt) ist die Differenz zwischen dem Verkaufspreis einer Münze und ihrem reinen Materialwert. Bei Kaiserreich-Goldmünzen setzt es sich aus mehreren Faktoren zusammen:
- Seltenheit der Kombination aus Bundesstaat, Porträt, Jahrgang und Prägestätte
- Erhaltungsgrad -- je besser, desto höher der numismatische Aufschlag
- Sammlernachfrage nach bestimmten Motiven und kompletten Serien
- allgemeine Handelsspanne für historische, einzeln geprüfte Stücke
Häufige Stücke wie die 20 Mark Wilhelm I. oder Wilhelm II. aus Berlin liegen meist nur moderat über dem Goldwert und eignen sich daher als kaufnaher Einstieg in historisches Anlagegold. Seltene Jahrgänge oder kleine Prägestätten können dagegen ein Vielfaches des Materialwerts erreichen -- hier kaufen Sie weniger Gold und mehr Numismatik. Ein wichtiger steuerlicher Vorteil: Anlagegold ist nach § 25c UStG von der Umsatzsteuer befreit, sodass beim Kauf von Goldmünzen keine Mehrwertsteuer anfällt.
Faustregel: Geht es Ihnen primär um Gold, wählen Sie gängige Porträts in handelsüblicher Erhaltung mit niedrigem Aufgeld. Reizt Sie der Sammleraspekt, lohnt der Blick auf seltene Jahrgänge, kleine Prägestätten und hohe Erhaltungsgrade -- dann zahlen Sie bewusst für Numismatik.
Goldpreis-Kontext
Da der Materialwert jeder Reichsgoldmünze direkt am Goldpreis hängt, lohnt ein Blick auf dessen Entwicklung. Der folgende Chart zeigt den aktuellen Goldpreisverlauf -- multipliziert mit dem Feingoldgewicht ergibt sich der innere Wert Ihrer Münze.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Wer historische Goldmünzen kaufen möchte, sollte einige Punkte beachten, um Fehlkäufe und Fälschungen zu vermeiden:
- Echtheit prüfen lassen: Reichsgoldmünzen gehören zu den am häufigsten gefälschten historischen Münzen. Kaufen Sie bei Händlern mit dokumentierter Echtheitsprüfung.
- Gewicht und Durchmesser kontrollieren: Abweichungen vom Soll (7,965 g bei 20 Mark) sind ein Warnsignal.
- Erhaltung realistisch einordnen: Klären Sie vor dem Kauf, ob Sie ein Anlage- oder ein Sammlerstück erwerben.
- Aufgeld vergleichen: Setzen Sie den Preis ins Verhältnis zum aktuellen Goldwert, nicht nur zum Nennwert.
- Verkäuflichkeit bedenken: Gängige Porträts lassen sich später leichter wieder veräußern als exotische Raritäten.
Als einer der größeren deutschen Online-Händler führt Kettner Edelmetalle ein eigenes Sortiment an Reichsgoldmünzen mit Echtheitsprüfung und versichertem Versand. Das Angebot reicht von einzelnen 10- und 20-Mark-Stücken bis zu kuratierten Sätzen.
Beliebte Kaiserreich-Goldmünzen im Überblick
Die folgenden Stücke zählen zu den am häufigsten nachgefragten Reichsgoldmünzen und eignen sich gut als Einstieg:
Wer gezielt einsteigen möchte, findet die wichtigsten Klassiker hier im Direktvergleich:
- 20 Mark Preußen Wilhelm I. -- der Klassiker des Reichsgolds
- 20 Mark Preußen Wilhelm II. -- der letzte Kaiser
- 10 Mark Preußen Wilhelm I. -- der günstigere Einstieg
- 10 Mark Wilhelm I. Erstausgabe 1872 (Premium Coincard) -- für Sammler aufbereitet
- Münzsatz der Kaiserzeit unter Wilhelm II. -- thematisches Einsteigerset
Häufige Fragen zu Kaiserreich-Goldmünzen
Wie viel Gold steckt in einer 20-Mark-Goldmünze?
Eine 20-Mark-Goldmünze des Kaiserreichs wiegt 7,965 Gramm und besteht aus 900er Gold. Daraus ergeben sich rund 7,1685 Gramm Feingold -- knapp ein Viertel einer Feinunze. Der Feingehalt ist über alle Bundesstaaten und Jahrgänge identisch.
Was unterscheidet 10- und 20-Mark-Stücke?
Beide bestehen aus 900er Gold, unterscheiden sich aber im Gewicht: Die 10 Mark enthält rund 3,58 Gramm Feingold bei 19,5 mm Durchmesser, die 20 Mark rund 7,17 Gramm bei 22,5 mm. Die 10-Mark-Stücke sind pro Münze günstiger und damit ein noch niedrigschwelligerer Einstieg.
Was bedeutet der Münzbuchstabe auf der Münze?
Der Buchstabe kennzeichnet die Prägestätte -- zum Beispiel A für Berlin, D für München, J für Hamburg. Für den Goldwert ist er ohne Bedeutung, für Sammler kann er aber über die Seltenheit und damit über das Aufgeld entscheiden.
Sind Kaiserreich-Goldmünzen umsatzsteuerfrei?
Ja. Als Anlagegold sind sie nach § 25c UStG von der Umsatzsteuer befreit. Beim Kauf von Goldmünzen fällt daher in Deutschland keine Mehrwertsteuer an. Das gilt unabhängig vom historischen Porträt.
Lohnen sich Kaiserreich-Goldmünzen als Geldanlage?
Reichsgoldmünzen verbinden den Materialwert des enthaltenen Goldes mit einem historischen Sammlerreiz. Gängige Stücke liegen nah am Goldwert, seltene Jahrgänge können ein numismatisches Aufgeld tragen. Eine Wertentwicklung lässt sich nicht vorhersagen -- der Kauf sollte als langfristige Sachwert- und Sammelentscheidung verstanden werden, nicht als Renditeversprechen.
Wie erkenne ich eine echte Reichsgoldmünze?
Wichtige Anhaltspunkte sind das exakte Soll-Gewicht (7,965 g bei 20 Mark, 3,9825 g bei 10 Mark), der korrekte Durchmesser, die saubere Reliefprägung und der passende Münzbuchstabe für den Jahrgang. Da Reichsgold häufig gefälscht wird, empfiehlt sich der Kauf bei Händlern mit dokumentierter Echtheitsprüfung.
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